Ein kleiner Eindruck für sie von C. Berndt (Redakteurin)
In dem Kammerkonzert vom 18.10.2025 des Orchesters collegium artium in Korntal konnte ich diesmal persönlich dabei sein. Es war ein besonderes Erlebnis. Die Korntaler Christuskirche war gut besucht. Offenbar gab es viele musikinteressierte Bürger, die sich dieses Konzert nicht entgehen lassen wollten. Das Programm, das Dirigent Cristian Ruetz ausgewählt hatte, bestand aus einer anspruchsvollen Mischung verschiedener Musikstile der Komponisten
J.P. Rameau, G. Holst, A. Pärt und A. Dvořák. Selbst ich als Laie der klassischen Musik wurde direkt von den Klängen ergriffen. Die vier Komponisten waren sehr unterschiedlich. Es gab eine aufschlussreiche Vorstellung durch den Dirigenten, und jeder Besucher hatte außerdem ein Programmheft ausgehändigt bekommen, in dem man viele interessante Details über die jeweiligen Stücke und Komponisten nachlesen konnte.
Besonders überrascht und begeistert war ich von den futuristisch anmutenden Klängen des Arvo Pärt, die ich bis dahin noch nicht kannte, und die mir erschienen wie eine Filmmusik. Ebenso interessant und erbaulich war es, die bewegenden und mitreißenden Klänge der tschechischen Suite von A. Dvořák zu genießen und dabei auf die treffenden Erklärungen aus dem Begleittext achten zu können.
Jean-Philippe Rameau, Ouverture zur Oper Zoroastre
Einzelheiten über Rameau’s Leben sind wenig bekannt. Im Alter von 18 Jahren entschloss er sich Musiker zu werden. Nach einer kurzen Episode in Italien ging Rameau 1705 zur Ausbildung nach Paris. Schon während seines Studiums gab er sein erstes Buch „Pieces de Clavicin“ für das Cembalo heraus. Er wurde Mitbegründer der funktionsbezogenen Harmonik. Schließlich erhielt er bei Ludwig XV. die Anstellung als Hofkomponist. Er wurde einer der Hauptkomponisten der französischen Oper, der Cembalomusik und der damaligen Ballettmusik. Lullis Opern dienten ihm zunächst als Vorbild in dieser Musiksparte. Weil Rameau aber sein musikalisches Vorbild in musikalischer Fülle oft übertraf, wurde er von Lullis Anhängern stark bekämpft und seine Opern erhielten nicht den gebührenden Erfolg.
Rameau strebte nach Reformen. Statt des damals üblichen repräsentativen Prologs vor einer Oper komponierte er z.B. für Zoroastre eine Ouvertüre, die eine neue Bedeutung durch die Wiedergabe der dem Drama entsprechenden Vorgänge erhielt. Damit gibt er der Ouvertüre eine ganz neue Bedeutung und weist damit schon auf die Zukunft hin. Die Oper Zoroastre ist hoch dramatisch und behandelt den Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten. Der erste Teil der Ouvertüre gibt eine starke pathetische Darstellung von Gewaltausübung und Klagerufen der Völker, der zweite Teil ein lebhaft heiteres Bild vom Glück der Völker, die von der Unterdrückung erlöst werden.
(Text: Gisela Ey-Hawlitzky)
Gustav Holst, St. Pauls Suite, Op. 29 No.2
Gustav Holst, britischer Komponist mit deutsch-baltisch-schwedischen Wurzeln, komponierte schon in seiner Schulzeit Werke für Orchester, neben seinem Studium in Klavier, Violine, Posaune und Orgel. Sein berühmtestes Orchesterwerk sollten die Planeten werden – Holst hatte sich in dieser Zeit sehr für Astrologie interessiert und Horoskope für seinen Freundeskreis erstellt. Kompositorisch wurde Holst von Richard Wagner, Igor Strawinsky sowie Vaughan Williams beeinflusst.
Ab 1904 unterrichtete Holst an der noch heute aktiven James Allens Girls‘ School in Süd-London. Man hatte für ihn dort einen schalldichten Kompositionsraum eingerichtet; kurz bevor er dort die Planeten komponierte, schrieb er 1912 – ähnlich wie Antonio Vivaldi in Venedig – für sein Mädchenorchester an seiner Schule die St. Pauls Suite für Streicher. Um ein Orchester mit vollständiger Bläserbesetzung zu bekommen, motivierte Holst seine Schülerinnen zum Erlernen von Blasinstrumenten, was in dieser Zeit eher ungewöhnlich war, und fügte deshalb später in die St. Pauls Suite Bläserstimmen hinzu.
Als Komponist der Spätromantik bis hin zur frühen Moderne komponierte Holst originell, mit großer Experimentierfreude und unter Verwendung unkonventioneller Harmonien, oft inspiriert durch volkstümliche Melodien und tänzerische Rhythmen.
Mit lebhaftem Rhythmus startet die Suite mit der aus Schottland inspirierten Jig. Pizzicato-Akkorde begleiten das Thema der Solo-Violine in dem Intermezzo. Im letzten Satz Finale sind die englischen Volkslieder Greensleeves und The Dargason raffiniert verarbeitet.
( Text: Maike Winkelmann)
Arvo Pärt, Fratres (Fassung für Kammerensemble)
Arvo Pärt, einer der populärsten Komponisten der Neuen Musik, feierte aktuell im September 2025 seinen 90. Geburtstag – wieder in seinem Geburtsland Estland – nach Jahren der Emigration aus der damaligen Sowjetunion, in denen er in Wien und Berlin lebte. In seiner sehr bekannten Komposition Fratres hat Pärt nach langem Ringen zu seinem klassischen Kompositionsstil – dem Tintinnabuli-Prinzip – gefunden. Der Klang, so Pärt, sei statisch und fluktuierend zugleich, von meditativer Wirkung, aus klaren, tonalen Dur-Moll-Elementen gebaut.
Hörbar sind die durchgehend klingenden Bordun-Töne sowie Akkordschichtungen in Bläsern und Streichern, die sich wellenförmig in unregelmäßigen Taktarten über den Basstönen bewegen. Ein Schlagzeugmotiv gliedert das Musikstück. Hier ließ sich Pärt als gläubiger Christ von der Musik des Gregorianischen Chorals beeinflussen.
Ist diese Musik eine Zumutung? Oder wirkt Fratres heilsam in heutiger hektischer Zeit? Nehmen wir die Musik spirituell und sphärisch wahr? Bemerkt unser Ohr mithilfe dieses sparsamen Kompositionsstils sogar kleinste Klangereignisse? Oder ist seine Musik wie ein warmer Mantel, so Pärt?
Pärts Antwort, was er mit seiner Musik in der Tintinnabuli-Technik ausdrücken wolle: Man muss es fühlen, suchen, entdecken, ersehnen – der Rest kommt von allein.
( Text: Maike Winkelmann)
Antonín Dvořák, Tschechische Suite, Op. 39
Im deutschen Sprachraum wird das Werk gelegentlich auch als Böhmische Suite bezeichnet. 1879 begann A.Dvorák eine Folge von tschechischen Volkstänzen zu komponieren. Der Begriff Praeludium (Pastorale) für den 1. Satz kann auf zweierlei Arten verstanden werden. Einerseits Vorspiel oder lyrische Einleitung der folgenden Suite von Tänzen oder aber Pastoralmusik d.h. instrumentale Hirtenmusik, bäuerliche oder festliche Weihnachtsmusik.
In dieser Zeit der industriellen Revolution besannen sich viele Komponisten gerade in Böhmen, Mähren, Ungarn….ihrer musikalischen Wurzeln. Dvořák, Bartók, Kodály, Martinů, Janáček und viele andere reisten durch die Lande und erforschten ihre ursprüngliche Volksmusik, um sie der Nachwelt schriftlich zu erhalten und in ihrer Kunstmusik weiter zu verarbeiten.
Melodik und Rhythmik der Musik bilden sich aus dem Fluss und den Betonungen der Sprache. Schwerpunkte auf bei uns unbetonten Silben in ständiger Wiederholung heben den typischen Charakter z.B. der tschechischen Folklore rhythmisch hervor. Ostinate Begleitung mit Bordunquinten führen zu Assoziationen von Dudelsack Klängen. Schon allein die Bezeichnung Sousedská wie auch Menuett weist auf die Verschmelzung tschechischer Folklore mit westeuropäischer Musiktradition hin. Die Sousedská ähnelt dem im Westen bekannten Ländler.
Ein temperamentvoller Furiant, ein schneller Volkstanz im dreiviertel Takt mit Akzentverschiebungen, schließt die Suite ab.
(Text: Gisela Ey-Hawlitzky)
Dies war das Programm unserer Konzerte am 18. und 19.10.2025
Jean-Philippe Rameau (* 1683 – † 1754)
Ouverture zur Oper Zoroastre
RCT 62
Gustav Holst (* 1874 – † 1934)
St. Pauls Suite, Op. 29 No. 2
Jig
Intermezzo
Finale (The Dargason)
Arvo Pärt (* 1935)
Fratres (Fassung für Kammerensemble)
Antonín Dvořák (* 1841 – † 1904)
Tschechische Suite, Op. 39
Praeludium (Pastorale)
Menuett (Sousedská)
Romanze
Finale (Furiant)
Kammerorchester collegium artium, Ying Yin: Solovioline
Leitung: Christian Ruetz




