"Von Barock bis Romantik" - Mit Solistin Julia Surushkina
Konzert des Kammerorchesters „collegium artium“ Stuttgart
PLOCHINGER NACHRICHTEN 30. OKTOBER 2024 1 NR. 44 1 5
Unter der Leitung von Stefan Schomaker gab das Kammerorchester „Collegium artium” Stuttgart am vorvergangenen Sonntagabend das erste Konzert im Rahmen der „Stunde der Kirchenmusik“ in der renovierten Stadtkirche mit sanierter Orgel. Unter dem Titel „Von Barock bis Romantik” waren Werke von Rameau und Händel über Ravel und Vivaldi bis Fauré und Grieg teils mit der ukrainischen Sopranistin Julia Surushkina als Solistin zu hören.
Bezirkskantor Georgios Zaimis hieß die Besucherinnen und Besucher des Konzertabends herzlich willkommen. Das Programm des Kammerorchesters verweise auf sein vielfältiges Repertoire. Das reiche von einer Ballett-Suite über Arien von Pergolesi, Händel bis Vivaldi gesungen von der jungen Solistin.
Neben einer wohlklingenden „Pavane“ von Gabriel Faure gab es auch das „Pie Jesu“, ebenfalls gesungen von Julia Surushkina, aus dem Requiem op. 48 des französischen Komponisten zu hören. Edward Griegs 5-sätzige Holberg Suite bildete den Abschluss.
Zum Einstieg eine Ballett-Suite
Tänzerisch startete das interessante Konzertprogramm mit Rameaus BallettSuite in drei Sätzen. Sie thematisiert die Talente, die in der Opera in den Dienst der Liebe gestellt werden: die Dichtkunst und die Deklamation (der kunstvolle Vortrag), die Gesangskunst und die Harmonie sowie der Tanz und die Choreografie. Vor allem der dritte Teil endete mit einem fulminanten, tänzerisch anmutigen Bläserspiel, in dem die solistisch geführten Bläser wie Klarinette, Oboe, Fagott, Querflöte und Hörner sich abwechselten. Pointiert dazwischen das Gesamtorchester mit Geigen, Chellos und dem Baß, das den Grundrhythmus und die Grundmelodie als Antwort herstellte. Rameau war einer der ersten Komponisten, der Mitte des 18. Jahrhunderts die Klarinette verwendete.
Junge ukrainische Solistin brilliert
Mit Pergolesis „Stizzoso mio stizzoso“ aus der Oper „La Serva Padrona“ begeisterte die Sopranistin die Gäste. Die junge ukrainische Sängerin mit polnischen Wurzeln ist derzeit Masterstudentin an der Opernschule in Stuttgart. Julia Surushkina wurde bereits bei verschiedenen Gesangswettbewerben ausgezeichnet und für zahlreiche Opernproduktionen engagiert. Im lustigen Opernintermezzo überlistet die Diene-rin den reichen Herrn, sie zu heiraten. Als er ihren Fängen entgehen möchte, fährt sie ihm einfach über den Mund: ,,Halt einfach deinen Mund!“ Händels „Tornami a vagheggiar“ (Verwandle mich in Sehnsucht) aus der Oper ,,Alcina“ folgte. Auch darin hatte sie Solistin einen Auftritt.
Das Programm ging mit zwei Pavanen, stattlichen Hoftänzen, von Gabriel Faure sowie Maurice Ravel weiter. Bei „Veni, veni me sequere fida“ (Komm, komme, folge mir treu) aus Vivaldis Oratorium „Juditha Triumphans“ bezauberte Surushkina die Gäste wieder mit ihrer ausdrucksvollen Stimme. Ebenso bei Faures „Pie Jesu“ aus dem Requiem op. 48, das in mehrerlei Hinsicht von einer traditionellen Totenmesse abweicht. Es verzichtet auf eine dramatisierende Darstellung und zeichnet ein friedvolles Bild des Todes. So gleiten in vielen Passagen Moll-Klänge des Orchesters in stimmungsvolle Dur-Akkorde „und lassen tröstend das Himmelreich erahnen“, wie im Konzertflyer stand.
Publikum fordert Zugabe
Mit einem „romantischen Blick auf die Musik der Klassik“ und Edward Griegs 5-sätziger Holberg-Suite endete der Konzertabend – doch das Publikum hatte noch lange nicht genug, was es durch seinen Applaus zum Ausdruck brachte. So gab es noch einmal das heitere und bestimmte „Stizzoso mio stizzoso“ von Pergolesi mit der fast schon „frechen Opernrolle“ der Solistin Surushkina zu hören, bevor die Musizierenden nach fast eieinhalb Stunden unter großem Beifall verabschiedet wurden. Mit den Gesangsstücken habe sie „keine Schwierigkeiten“, sagte Julia Surushkina. Jedes Stück bereite ihr Freude und mache ihr Spaß. Weil sie die Stücke vorab schon kannte, habe sie auch nur zweimal mit dem Orchester geprobt. Hut ab!




